Lösungsansatz

Folgende Produktionsfaktoren sind für Projekt MAC4U entscheidend und stellen den Ausgangspunkt zur Problem-lösung dar:

Umgang mit dem physikalischen Produkt

Üblicherweise erfolgen Konfigurationen von individualisierten Produkten eher abstrakt und sind auf die Vorstellungs- kraft und das Abstraktionsvermögen des Entscheidungsträgers angewiesen. Im Projekt MAC4U werden anstatt von Fachleuten (industrielle Auftraggeber) die neue Zielgruppe „Konsumenten“ für AM-KMU erschlossen. Diese neue Zielgruppe muss mit möglichst einfachen und intuitiven Gestaltungsmöglichkeiten angesprochen werden. Das angestrebte Szenario sieht vor, dass der Kunde direkt im Ladenlokal die Konfiguration vornimmt und das Massenprodukt zur Hand hat. Dies bietet für die intuitive Konfiguration („der Schriftzug soll genau da hin“) enorme Vorteile, stellt aber auch neue Anforderungen an die interaktive Gestaltung des Konfigurators. 

Standardisierte Informationen

Zur Produktion der individualisierten Accessoires werden Informationen über den Konsumenten und seine Präferen- zen ebenso benötigt wie technische Informationen zum passenden Massenprodukt. Zur effektiven Abwicklung des Informationsflusses müssen technische Schnittstellen basierend auf üblichen Standards untersucht, verbessert oder neu entwickelt werden. Bereits heute gibt es eine Hand voll kleiner und mittlerer Produzenten, die ihre Produkte über das Internet direkt den Konsumenten anbieten, allerdings verwendet die Mehrheit der AM-Produzenten diesen Ver- triebskanal nicht. Zum einen ist es für die Produzenten schwierig, aus individualisierten  Produkten eine Marke zu generieren, die im Internet über Suchmaschinen auffindbar ist (Kunde ist „Designer“, kein einheitliches Erschei-nungsbild der Produkte). Zum anderen erfordert die Konfiguration der individuellen Produkte vom Kunden den Umgang mit spezieller Software.

Bisher verwendete Formate für die 3D-Produktmodelle (z.B. STL) können durch die wichtigsten in der Konstruktion verwendeten CAD Tools oder von im Medienbereich verwendete 3D Design Tools generiert werden. Abgesehen davon gibt es andere Standards, um dreidimensionale Produktmodelle zu bearbeiten, so z. B. das ISO 10303 STEP Format. In dem vorliegenden Projekt wird dieser Stand wie folgt erweitert:

  1. Für den Market Place werden Datenstrukturen entwickelt, die den allgemeinen Rahmen für die angestrebten individualisierten Accessoires ebenso berücksichtigen wie Gestaltungs- und technische Restriktionen. Hier bestehen gute Möglichkeiten von Beginn an auf Standards zu setzen, da dieser Prozess für AM-KMU vollkommen neu ist.
  2. Da eine Vielzahl kleiner und mittlerer AM-KMU ihre Produkte über den Market Place anbieten, ist mit verschiedenen Input-Formaten für die eigentliche Produktion zu rechnen. Hier wird der Production Connector als Schnittstelle zum Market Place eingesetzt, um das allgemeine Market Place-Format in das für den jeweiligen Produktionsprozess benötigte Format zu übertragen.
  3. Die Konsumenten benötigen ein User-orientiertes Tool, um die Datenformate bearbeiten und Parameter konfigurieren zu können, ohne ein CAD oder Medien-Spezialist zu werden. Hier findet eine Erweiterung des Market Place zu einem Angebotssystem statt.
Komponenten MAC4U

Um den Konfigurationsprozess anzustoßen, werden grundlegende Informationen zum Massenprodukt benötigt, die entweder in Product Data Management Systemen (PDM) oder in eCommerce Systemen zur Verfügung stehen. Neben zahllosen proprietären Formaten und Datenmodellen für Webshops wurden insbesondere im B2B eCommerce Markt viele Standards entwickelt. Entsprechend können diese Standards angewendet werden, um Informationen über Massenprodukte, für die passende Accessoires individualisiert werden sollen, verfügbar zu machen.

Diese Informationen müssen abgeglichen werden mit passenden Individualisierungs-Angeboten im Market Place. Das Angebotssystem als Schnittstelle zum Konsumenten greift ebenso auf diese Informationen zu.

Neben der Verwaltung von Individualisierungs-Angeboten, Aufträgen und Auftragserfüllungen ist die Abwicklung der Rechnungsstellung ein zentrales Element des Verkaufsprozesses. Hier gibt es verschiedene, hauptsächlich XML-basierte eBusiness-Standards zur Handhabung solcher Transaktionen. Diese Standards berücksichtigen nicht, dass das angebotene, bestellte und berechnete Produkt ein individualisiertes ist. Entsprechend wird im Rahmen des vorliegenden Projekts der bestehende Standard erweitert.

Additive Manufacturing agiert im Spannungsfeld von Informations- und Produktionslogistik. Auf Grund der elastischen Prozesse und der häufig wechselnden Netzwerkpartner erscheint gerade hier die Einführung von Standards als unerlässlich. Leider schöpfen gerade KMU dieses enorme Potential noch nicht aus. So zeigt eine durch Berlecon durchgeführte Studie, dass gerade einmal 40% der kleinen Unternehmen überhaupt eBusiness-Lösungen einsetzen und davon nur 16% der Unternehmen Standards für deren prozessübergreifende Integration berücksichtigen. MAC4U will durch seinen offen zugänglichen Demonstrator und Transferaktivitäten durch die teilnehmenden Verbände die KMU zum Umdenken animieren.

Der MAC4U-Demonstrator wird für die Referenzbranche Automotive (B2C) entwickelt, die anhand der folgenden Kriterien ausgewählt wurde:
  • Der Vertrieb der Standardware erfolgt über i.d.R. über ein Händlernetz
  • Es ist eine Kooperation mit Herstellern / Vertrieb möglich und es besteht ein grundlegendes Interesse an der Projektidee
  • Die Produkte der Branche können durch individualisierte Accessoires ergänzt werden
  • Es können für das Projekt auf nötige Datensätze (Produktinformationen) zurück gegriffen werden
Diese Kriterien werden im Bereich Automotive besonders gut erfüllt, deshalb wird diese Branche hier als Usecase verwendet.